Verband der Gartenbaubetriebe: “Kaufen, wo´ s wächst”
BAD KROZINGEN. Saisonstart — der Garten lockt wieder. Ein idealer Zeitpunkt für die Präsentation der Gärtnereibetriebe in der Region. Kreisgärtnermeister Hans Dieter Stirba lädt die Fachwelt jedes Frühjahr zum Pressetermin mit Besichtigung einer Verbandsgärtnerei und Pflanzaktion ein. Diesmal fand seine Präsentation in der Gärtnerei Winterhalter im Bad Krozinger Ortsteil Schlatt statt.
Auch Geschäftsführer Jörg Fleischhacker vom Verband Badischer Gartenbaubetriebe in Karlsruhe war gekommen und steuerte umfangreiches Infomaterial bei. Sein Motto zur Eröffnung der durch den langen Winter um Wochen verzögerten Garten-Saison: “Kaufen, wo´ s wächst — Beet- und Balkonpflanzen in großer Vielfalt” .
300 000 Topfpflanzen produziert Gärtnermeister Peter Winterhalter jährlich in seinem Familienbetrieb. 60 Prozent davon gehen an Privatkunden. Säen, pikieren, topfen — das gehört immer wieder aufs Neue zum Handwerk, und noch dazu ein “grüner Daumen” . Bereits im Februar zieht Winterhalter die begehrten Setzlinge für Salate und Gemüse. Ein wichtiges Standbein der “grünen Wachstumsbranche” . 93 Kilo Gemüse verzehrt der Bundesbürger im Schnitt pro Jahr. 86 Euro verwendet er jährlich für den Kauf von Blumen und Zierpflanzen.
Bunte Blütenpracht für Beet und Balkon werden bei Winterhalter auf 1,68 Hektar Fläche kultiviert, davon 1200 Quadratmeter im Freiland und 3300 Quadratmeter im gläsernen Gewächshaus. Es grünt und blüht auf zwei Etagen beim Gang entlang seiner Hochbeete, die alle mit gelben Bewässerungsschläuchen verbunden sind.
1958 erwarben Seniorchef Fritz Winterhalter und seine Frau Lydia die Gärtnerei in Schlatt. Mit 18 Ar Fläche fingen sie an — und mit Leidenschaft: “Wir haben einen schönen Beruf, es hat uns immer Freude gemacht” , sagen sie. 1999 übernahmen Sohn Peter und seine Frau Monika die Regie in der mehrfach erweiterten Gärtnerei, die heute neben zwei Gärtnermeistern auch zwei Floristinnen, einen Azubi und zwei Saisonaushilfen beschäftigt.
“Hier sieht man das ganze Spektrum vom Samen bis zum Pflänzchen” , schildert Stirba die Vielfalt der Branche, die sich in sieben Fachsparten gliedert: Die Blumen- und Zierpflanzen, die Baumschule, die Friedhofsgärtnerei, den Garten- und Landschaftsbau, den Gemüse- und Obstbau und die Stauden. “Nicht alles wächst im Supermarktregal” , fügt Stirba hinzu mit Blick auf den Konkurrenzdruck, dem die Fachbetriebe ausgesetzt sind.
In die Offensive geht man mit höchsten Ansprüchen an Produktqualität sowie qualifizierter Beratung und kundengerechtem Service. “Darin liegen unsere Stärken” , betont Stirba. Die Fülle der Erzeugnisse hebe das Angebot der Gärtnereien von den Standardprodukten der großflächigen Anbieter ab. Moderne Technik prägt heute die Arbeit. Die Anforderungen haben sich gewandelt. Mehr denn je sei “Köpfchen” gefragt, in Form von technischem und kaufmännischem Know-how, sowie Kreativität und Verkaufsgeschick. Nur das botanische Gespür müsse der Berufsanfänger nach wie vor mitbringen, und er dürfe keine Scheu vor schmutzigen Händen haben. Die Karrierechancen reichen nach einer fundierten Basisausbildung je nach Qualifikation vom Agraringenieur bis zum Landschaftsarchitekten.
Sein Talent für florale Gestaltung stellte zum Abschluss auch der Schlatter Ortsvorsteher Ottmar Seywald unter Beweis. Bei einer gemeinsamen Pflanzdemonstration entstand ein “Profikasten” mit bunten Frühlingsblüten.
Badische Zeitung vom Freitag, 21. April 2006
Susanne Müller
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